Plattform für zukunftsorientierte Personaler #cl20

Plattform für zukunftsorientierte Personaler #cl20

Liebe Personaler, sind sie offen für ein neues Abenteuer? Digitalisierung hat selbstverständlich auch in ihre moderne Personalentwicklung Einzug erhalten. Wie können sie als Personaler mit dieser zukunftsorientierten Herausforderung umgehen? Ein Lösungsansatz liegt auf jeden Fall in der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch untereinander. Wie wäre es für sie, sich mit Gleichgesinnten in einem Format auszutauschen, das eine Menge Potenzial auch für ihre Kompetenzentwicklung birgt?

Mit der Leitfrage: “Wie gestalten wir künftig Lernen in Organisationen“ startet am 21. September 2015 der erste Corporate Learning 2.0 MOOC (kurz #cl20). Was dahinter steckt und warum sie sich unbedingt anmelden sollten, habe ich im Folgenden kurz zusammengefasst.

Ein MOOC als Plattform für Erfahrungsaustausch

Massive Open Online Courses (MOOC´s) wurden vor einigen Jahren ausgehend zunächst von Kanada und dann den USA weltweit populär. Grundsätzlich sind darunter vielschichtige Formen von Online-Kursen zu verstehen, die kostenlos oder kostenpflichtig sein können und oft eine große Anzahl von Teilnehmern haben. Die ursprüngliche Idee für dieses Format hatten zwei kanadische Bildungswissenschaftler, die ihr Modell für das Lernen in der Netzgesellschaft in dieser Form von offenen Online-Kursen erproben wollten. Das Wesentliche bei dieser Art von MOOC´s (sogenannte cMOOC´s; c für connectivism) liegt in der informellen Vernetzung von Teilnehmern/Teilgebern zu einem bestimmten Thema ohne vorgegebenes Curriculum, vergleichbar den „Unkonferenzen“ in Form von sogenannten BarCamps.

Auch beim #cl20 gibt es kein vorgefertigtes Curriculum, sondern Vorschläge für Themen mit Best Practice Beispielen aus der Unternehmenspraxis, die gemeinsam diskutiert werden können. Insofern ist der #cl20 mehr als Plattform für den gemeinsamen Erfahrungsaustausch zu sehen, auch wenn es sicher interessanten Input dort geben wird.

Interessante Unternehmen geben Best Practice Impulse

Der #cl20 ist für einen Zeitraum von acht Wochen vom 21.9. – 13.11. 2015 geplant. In jeder Woche gibt ein anderes Unternehmen als Gastgeber Impulse, Beispiele und Fragestellungen aus der Unternehmenspraxis für moderne Personalentwicklung:

  • Die DB Training startet in der ersten Woche mit der Vorstellung ihres Projektes „Next Education“
  • Die Swisscom AG stellt in der zweiten Woche die Frage: „Wie kann digitales Lernen attraktiver gestaltet werden?“
  • Der Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC) geht der Frage nach: „Wie können wir Führungskräfte dazu bringen, für ihr eigenes Lernen Verantwortung zu übernehmen?“ Eine Frage, die sicher nicht nur im Kontext mit Führungskräften interessant ist J.
  • Die Festo AG & Co. KG interessiert besonders die Frage: „Wie sollte ein Anschlussprozess an formelle Trainingsprogramme unter gegebenen kulturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen (z.B. Sprache, Zeiteinsatz …) aussehen?“
  • Die Miele & Cie. KG stellt sich die Frage: „Brauchen Lernende noch ein Lernmanagementsystem oder sind offene Portale hilfreicher fürs Lernen?“
  • Die SICK AG hat erste Erfahrungen mit BarCamps gemacht und stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: „Welche Bedeutung bzw. Aufgabe hat eine Trainingsabteilung noch, wenn mehr informelles, selbstgesteuertes Lernen im Unternehmen stattfindet?“
  • Die SAP Deutschland SE & Co. KG hat erste Erfahrungen damit gesammelt spielerische Elemente in ihre Lehr-Settings zu integrieren und freut sich auf einen Erfahrungsaustausch zum Thema „Gamification“.
  • Die Adidas AG hat einen internationalen „Learning Campus“ gestartet und möchte den #cl20 nutzen, um die nächsten Schritte in der Weiterentwicklung zu diskutieren.

Dieser bunte Strauß an Themen zeigt bereits die Breite der Angebote auf und damit auch die wichtigsten Ziele des #cl20: Der Blick über den Tellerrand, also der #cl20 als Plattform für den Erfahrungsaustausch über Unternehmensgrenzen hinaus. Und sicher werden die Teilnehmer/Teilgeber selbst davon partizipieren vernetztes, selbstgesteuertes Lernen kennen zu lernen und zu praktizieren. Mehr Details finden sie hier.

Vernetzung bietet Mehrwert

Veranstalter des #cl20 ist die Corporate Learning Alliance, ein nicht-kommerzielles Netzwerk von innovativen Corporate Learning-Experten. Unterstützt werden sie von der oncampus GmbH, dem Service-Dienstleister im Bereich des E-Learnings der FH Lübeck, die den #cl20 auf ihrer neuen MOOC-Plattform „mooin“ betreiben. Hier geht´s direkt zur Anmeldung.

Die Anmeldung ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn das vernetzte Lernen bereits in den sozialen Netzen, wie Facebook und  Twitter sowie auf zahlreichen Blogs begonnen hat.

Der #cl20 bietet also auch die Chance das persönliche Wissensmanagement mit Instrumenten der Vernetzung auszuweiten und zu erproben. Der Hashtag „#cl20“ ist dabei das „lose Bindeglied“ zwischen verschiedenen Plattformen und Beiträgen. Sie werden sehen, Vernetzung bietet Mehrwert.

Aktuelle Fragestellungen in unserer Hochschule Weserbergland

Der #cl20 kommt auch für einige unserer Studierenden wie gerufen, denn im interdisziplinären Projektstudium sind dieses Semester von unseren Praxispartnern zwei passende Projektaufträge initiiert worden:

„Entwicklung und Erprobung interaktiver Lernszenarien für Industrie 4.0“

„Herausforderung Lernen 4.0: Veränderungen von Arbeits- und Lernwelten in Industrieunternehmen der Region Weserbergland“

Auch hier dürfen Auftraggeber und wir gespannt sein, wie sich aus der Perspektive der jungen Nachwuchsgeneration diese Herausforderungen meistern lassen.

Bildquelle: Logo #cl20

15 Jahre Bologna-Reform – hört auf zu jammern!

15 Jahre Bologna-Reform – hört auf zu jammern!

Kommentar zu GEW: „15 Jahre Bologna-Reform – kein Grund zum Feiern“

In der Tat, normalerweise lese ich Artikel mit solchen Jammertiraden schon lange nicht mehr, weil sie uns überhaupt nicht weiterbringen. Da sich solche Artikel zurzeit wieder häufen und ich heute von einer Redakteurin der DeWeZet ganz freundlich gebeten wurde einen Gastkommentar zu verfassen, mache ich eine Ausnahme und publiziere diesen auch gerne hier, um ein überregionales Feedback zu bekommen.

Initialzündung wenig gelungen

Und wieder einmal ein Expertenartikel, der nur so vor Verallgemeinerungen und Jammertriaden strotzt: „…in Deutschland aber viele Probleme nicht gelöst, sondern verschärft“.

Richtig ist, dass es noch eine Reihe von Herausforderungen gibt, die im Bologna-Prozess verbessert werden können. Richtig ist auch, dass der Start dieses bisher einmaligen Veränderungsprozesses in der Hochschulbildung äußerst ungeschickt angegangen wurde. Bei der Vorbereitung und Planung hatten die Experten wohl vergessen sich mit den Betroffenen an einen Tisch zu setzen, die Hochschulen wurden praktisch nicht einbezogen. Welche erste Reaktion war denn zu erwarten, wenn ein solches Mammutprojekt  per Gesetz einfach oktroyiert wird?  – Bestimmt keine Begeisterung!

Reichlich Chancen – bitte klug nutzen

Und dennoch hat sich richtig viel getan und es gibt noch jede Menge Chancen. Zum Beispiel das Auslandssemester. Vor 20 Jahren war dies eine wertvolle Erfahrung, die das Studium ganz sicher auch verlängerte. Heute ist die Erfahrung ebenso wertvoll und wird idealer Weise auf das Studium angerechnet, so dass engagierte Studierende in der Planstudiendauer erfolgreich sind. Natürlich darf auch in diesem Bereich noch die eine oder andere Hochschule ihre Prozesse weiter verbessern, so dass vor dem Antritt des Auslandssemesters eine kompetente Beratung stattfindet, die eine Integration des Auslandsaufenthaltes in das Studium sichert.

Oder ein weiteres Beispiel: Der Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium, der ja angeblich einem Lotteriespiel gleichen soll. Fakt ist, dass die Bologna Reform viel weiterreichende Rahmenbedingungen geschaffen hat, als nur einen möglichst reibungslosen, wo möglich noch verlängerten Studienaufenthalt an einer Hochschule zu ermöglichen. Der Bologna-Prozess ermöglicht es Rahmenbedingungen zu schaffen, die das lebenslange Lernen fördern und das sollte inzwischen auch den angeblichen Experten klar sein, Lernen findet nicht nur in der Schule oder Hochschule statt.

Zielewandel – vom Forscher zum Berufseinsteiger

Der möglichst frühe Einstieg in das Berufsleben über den ersten berufsqualifizierenden Bachelorabschluss hat durchaus genau diesen Sinn, denn es geht um das Lernen, die Weiterentwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung, die in diesem Zusammenhang oft auch angemahnt wird. Wissen allein hilft niemandem, die Handlungskompetenz ist das was uns überall, also z.B. auch in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung weiterbringt. Das gelernte Wissen in der Praxis anwenden, bedeutet u.a. eine nachhaltige Vertiefung des Wissens und die Entwicklung von Handlungskompetenzen. Damit einher geht ebenso die Persönlichkeitsentwicklung, die es dann zum individuell passenden Zeitpunkt ermöglichen sollte, das geeignete Masterstudium im für die Lebenssituation passenden Format zu finden. Die meisten Menschen lernen beim Anwenden von Wissen wo ihre eigenen Stärken liegen und was ihnen besonders viel Freude macht.

Also es kommt eben gerade nicht darauf an, möglichst ununterbrochen und möglichst lange an der Uni zu bleiben, sondern genau diese Möglichkeit der Selbsterfahrung und -entwicklung durch Anwenden in der Praxis zu erfahren. Und Erfahrung darf gerne etwas Zeit kosten und die meisten Hochschulen, die sich auf diese Zielgruppe eingestellt haben nehmen gerne noch Studierende, auch berufsbegleitend auf.

Offene Hochschule – die Chance für lebenslanges Lernen

Ein weiteres zukunftsweisendes Thema der Bologna Reform: die offene Hochschule. Hier geht es wortwörtlich um die Öffnung der Hochschulen für neue Zielgruppen mit einem kompetenzorientierten Ansatz in der Bildung. Der Zugang zum Studium ist bereits mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und drei Jahren Berufserfahrung möglich. Wissen spielt immer weniger eine Rolle, denn mit entsprechenden Recherchestrategien ist es immer und überall verfügbar.

Entscheidend ist die Handlungskompetenz, also die Fähigkeit von Menschen durch Anwenden ihrer Erfahrungen und ihres Wissen etwas zu bewegen, zu bewirken, zu verändern usw. Und genau diese Handlungskompetenzen sind äußerst wertvoll und können auf ein Studium angerechnet werden. Das ist nicht nur zeitsparend, sondern auch motivierend für die persönliche Weiterentwicklung. Berufliche Bildung und Hochschulbildung wachsen immer mehr zusammen. Lebenslanges Lernen ist heute aktueller denn je und das Angebot immer individueller und vielfältiger.

Hand aufs Herz: Was sagt Ihnen Ihre Erfahrung, hat uns Jammern schon mal weitergebracht? Die Hochschulen sollten sich nicht an Expertenmeinungen orientieren, sondern insbesondere das Feedback ihrer Studierenden nutzen, um die Reform weiter voran zu treiben, denn noch nie haben so viele Menschen in Deutschland studiert und noch nie waren die Zielgruppen so vielfältig.

#SOOC13 – Blogparade: Warum ich blogge? – Meine Top 5

#SOOC13 – Blogparade: Warum ich blogge? – Meine Top 5

Luck-Openness

Bildquelle Opensourceway

Einem Aufruf zur Blogparade: Hilfe, mein Prof blogt! von Anja Lorenz im Rahmen des ersten Saxon Open Online Course (#SOOC13) folgend, geht es hier um meine individuelle Beantwortung der einfachen Frage: Warum blogt Ihr eigentlich?

Und in der Tat die dort bereits ausgeschlossenen Vorannahmen: „Blogposts werden auf keiner Publikationsliste erwähnt. Blogposts werden bei Anträgen um Drittmittel nicht berücksichtigt. Blogposts werden vielleicht noch nicht einmal von den eigenen Mitarbeitern oder Studenten gelesen.“ sind auch für mich nicht ausschlaggebend.

Informeller Erfahrungsaustausch

Der besondere Reiz des Bloggens liegt vielmehr im informellen Charakter, die eigene Meinung darf hier einfließen, ganz im Gegensatz zum Vorgehen beim wissenschaftlichen Publizieren. Das macht den Erfahrungsaustausch nicht nur persönlicher, sondern in der Regel auch viel unmittelbarer und schneller. Während die Inhalte und Gedanken, die ich mir zu einer Publikation mache meistens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lange zurück liegen, ist die Aktualität eines Blogs inklusive der Response darauf sehr viel zeitnäher und weil informell meistens auch authentischer.

Vernetztes Lernen schafft Mehrwert

Ich sehe den individuellen Blog als einen persönlichen Knotenpunkt im vernetzten Lernen, ganz im Sinne des konnektivistischen Modells. Ich bekomme unmittelbares Feedback (auch keine Kommentare sind Feedback ;-)), kann themenfokussierte Diskussionen führen und dabei neue Ideen entwickeln. Der Knotenpunkt befähigt mich zur adäquaten Partizipation in „meiner Lern-/Forschungscommunity“ sowie auch in offenen Online Kursen. Die Dialoggruppen sind nicht auf wenige Spezialisten begrenzt, sondern offen für die breite Öffentlichkeit. Die resultierende Vernetzung und damit die Kommunikation erfolgt auf Augenhöhe. Das hat bei mir schon oft zur Erweiterung meines Horizonts geführt und ist für mich ein unschätzbarer Mehrwert.

Wandel hin zur öffentlichen Wissenschaft

Die Entwicklung des Internets von einer rein technischen Kommunikationsplattform hin zu einem sozialen Netzwerk hat unmittelbare Auswirkungen auf die Art und Weise wie sich Wissenschaft austauscht und organisiert. Ich sehe darin eine besondere Chance für Wissenschaftler sich über ihre eigene Wissenschaftscommunity hinaus mit Interessierten aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen. Wissenschaft und Praxis können dadurch viel effektiver zusammengeführt und Barrieren abgebaut werden. Für mich ist z.B. Christian Spannagel ein Vorbild als öffentlicher Wissenschaftler, der mit viel Mut und Geschick die Verbindung von Wissenschaft und Praxis (Schule) insbesondere über seinen Blog als persönlichen Knotenpunkt pflegt. Für mich ein schönes Gefühl, diesen Wandel ein wenig mitgestalten zu können.

Gedanken sortieren, Themen reflektieren

Beim Schreiben, nicht nur eines Blogartikels, sortiere ich meine Gedanken. Während das Denken auditiv ist, kommen beim Schreiben der visuelle und der kinästhetische Kanal hinzu, was bei mir oft die Kreativität fördert. Insofern ist das Schreiben an sich ein für mich ein kreativer Prozess – das Prinzip der Schriftlichkeit fördert die Kreativität, insbesondere mit den vielen Möglichkeiten der Medienintegration durch das Web. Manchmal reicht es deshalb Themen aus anderen Quellen/Blogs zu reflektieren, um sich seiner eigenen Position klarer zu werden.

Myself-Kurator – individueller Wissensspeicher

Sicher gibt es im Web eine ganze Reihe von Tools mit denen ein persönlicher Wissensspeicher einfacher gepflegt werden kann. Für die tägliche Pflege nutze ich zum Beispiel Scoop.it, Learni.st oder Diiego.  Die sozialen Netzwerke Twitter, Facebook oder G+ sind mir dafür zu wenig geeignet und ich habe meine Inhalte damit auch ganz aus der Hand gegeben. Vor dem Hintergrund der allgegenwärtig drohenden Informationsüberflutung sehe ich gerade Blogs, die mich persönlich interessieren als eine der wichtigsten moderierten Firewalls, die mir mit ihrer gefilterten Information viel Arbeit abnehmen. Das Zauberwort digital curation oder content curation bezeichnet genau diese Auswahl und individuelle Pflege von Inhalten bestimmter Themenbereiche, häufig in Form eines Blogs – hier sei als Vorbild Jochen Robes angeführt. Im Sinne dieser individuellen Pflege und schnellen Auffindbarkeit macht es mir einfach Spaß mehr oder weniger regelmäßig den eigenen Wissensspeicher zu füllen.

Nach dem Motto in der Kürze liegt die Würze, soweit meine fünf wichtigsten Punkte zu meiner Motivation.

Mehr Veränderungen beim Lernverhalten in den letzten 10 Jahren als in 1000 Jahren zuvor – alle im Wesentlichen bedingt durch technische Innovationen


Inspiriert durch den schönen Artikel von Donald Clark (special thanks to Donald Clark for the inspiring article!) reflektiere ich hier persönliche Erfahrungen. Auch aus meiner Sicht hat sich das Verhalten der Lerner ganz pragmatisch, vielerorts bereits irreversibel geändert, während an anderer Stelle intensiv darüber diskutiert wird, ob z.B. der Konnektivismus wirklich eine neue Lerntheorie ist oder eher doch nur eine pädagogische Sichtweise. Ich meine aus der Sicht der Lerner sind folgende Entwicklungen nicht mehr weg zu denken:

1. Asynchron und ubiquitär

Ob es jetzt um die lernortübergreifende Praxisbetreuung in dualen Studiengängen via Forum in einem LMS geht, oder eine Mathematikvorlesung via Video (Methode vgl. z.B. flipped classroom) am Lernort zu Hause vorbereitet wird, das asynchrone Lernen nimmt ständig weiter zu. Fast jeder Lerner hat inzwischen ein Smartphone und kann damit von überall, zu jeder Zeit auf Kurse, Wissen oder eine Vielzahl von Medien zugreifen. Auch im Kontext mit der realen Welt wird durch Applikationen zur erweiterten Realität (augmented Reality) in vielen Bereichen (vgl. z.B. Museum) ubiquitäres Lernen gefördert.

2. Links – Lernen läuft in der Regel nicht linear ab

Das eine, ideale Lehrbuch gab es im Studium nicht. Also wurde ein ganzer Bücherstappel auf dem Schreibtisch gebildet und dann noch das Fachlexikon und einige Journale hinzugezogen – die mit dem Lernen verbundene Recherche ist eben nicht linear. Wie schön, dass es im Web Hyperlinks gibt! In der Tat Wikipedia ist sicher eines der besten Beispiele, das ohne Links nicht funktionieren würde. Auch die gesamte Blogosphäre lebt von Hyperlinks.

3. Suchen und bewahren

Bevor Lerner heute in die Bibliothek gehen wird gegoogelt. Googeln als Verb für „mit Google im Internet suchen“ wurde bereits 2004 in die 23. Auflage des Rechtschreib-Duden aufgenommen. Nur ein kleiner Indiz für die Allgegenwärtigkeit dieses Konzerns, dessen Mission „Organize the world´s information …“ wohl niemand mehr anzweifelt. In jedem Fall ist es eines der wichtigsten Instrumente beim Lernen. Weitere Dienste, wie z.B. für das „Bookmarken“, das „Aufbewahren zum späteren Lesen“ oder die „Kurationsdienste“ helfen bei der Aufbewahrung und Pflege.

4. Wikipedia und vernetztes Lernen

Sicher das prominenteste Beispiel: Wikipedia! Wie konnte das passieren? Das größte Werk der Menschen entsteht parallel in x Sprachen, völlig freiwillig ohne, dass eine Institution dahinter steht und mit einem Abschluss versucht zu motivieren, ohne, dass die Arbeit vergütet wird…intrinschische Motivation etwa? In der neuen Kultur des Lernens, lernen die Menschen durch ihre Interaktion und Partizipation miteinander in „fließenden Beziehungen“, die das Ergebnis der gemeinsamen Interessen sind. In diesem Umfeld stehen alle Teilnehmer auf gleicher Ebene. Niemand hat die traditionelle Rolle des Lehrers oder Schülers. Auch der Qualitätsanspruch deutlich gewachsen, so dass die Inhalte in vielen Fällen (!) bereits wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

5. Chancen sozialer Netzwerke

Ob nun Fluch oder Segen Facebook, Google+ und andere soziale Netzwerke boomen. Neben dem Austausch von persönlichen Erfahrungen und Wissen werden inszwischen ganze Studiengänge via soziales Netzwerk betrieben. Der einfache Multiplikatoreffekt loser „Freundschaften“ führt zu einer neuen Form von Kollaboration mit der Chance sehr viel bessere Ergebnisse zu erzielen. Zum Beispiel hat dieser Effekt auch Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung, Stichwort öffentliche Wissenschaft. Während früher wissenschaftliche Arbeiten von ein oder zwei Experten begutachtet wurden, wird heute dazu übergegangen, wissenschaftliche Arbeiten ins Netz zu stellen und zwar mit der ausdrücklichen Aufforderung, dass möglichst viele Experten ein Feedback geben.

6. Blogs, Mikroblogs – Lesen und Texten

Durch Blogs, Mirkoblogs wird Lesen und Schreiben als soziale Aktivität wahrgenommen und führt in Verbindung mit neuen Endgeräten (Tablet-Computer) zu einer Renaissance des Lesens und Schreibens insbesondere bei der jüngeren Generation. Eine auch das gemeinsame Verfassen von Texten wird durch die instantane Feedbackmöglichkeit gefördert. In der Tat ist dabei ein interessantes Phänomen, dass die Textnachricht gegenüber einem persönlichen Gespräch (z.B. auch via Skype) oftmals bevorzugt wird, was sicher unterschiedliche Gründe haben mag, z.B. auch Asynchronität.

7. Pod- und Vodcasting

Noch nie war es so einfach “selbst auf Sendung zu gehen”. YouTube ist nicht nur die zweitgrößte Suchmaschine sondern hat auch die Art und Weise des Lernens enorm geändert. Neben dem vielzitierten Beispiel der Kahn Academy, gibt es eine Reihe sehr erfolgreicher deutscher YouTube Kanäle wie zum Beispiel den von Prof. Jörn Loviscach, der mit heutigem Stand auch bereits ca. 4,2 Millionen Videoaufrufe verzeichnen kann – also offensichtlich gibt es dafür einen großen Bedarf, denn dabei geht es nicht um Funvideos sondern um Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften allgemein.

8. Spielend Lernen

Spielen als Synonym für anspruchsvolle Erlebnispädagogik oder genauer “Game-based Learning” oder “Serious Games” sind heute wichtige Forschungsthemen (vgl. z.B. Überblick in L3T Son Le und Peter Weber). Geschicktes didaktisches Design kann den vermeintlichen Lerner quasi überlisten, so dass dieser nicht notwendigerweise merkt, dass er lernt. Die Vernetzung spielend Lernender in sogenannten Social Games führt neben dem Spaß des Spielens an sich zu einer weiteren sozialen Motivation, insbesondere im Wettbewerb ums Gewinnen oder das gemeinsame Entwickeln von Strategien.

9. Anwendungen und Werkzeuge (Apps and Tools)

„Dafür gibt es bestimmt eine App…“, hört man inzwischen nicht nur von flippigen Smartphone Besitzern. Heute sind es zwar bei den meisten „Informationsarbeitern“ immer noch die Office-Tools, wie Textverarbeitung-, Tabellenkalkulation- und Präsentationssoftware, die im täglichen Einsatz genutzt werden. Mit zunehmender Mobilität der Arbeitsplätze und der Endgeräte werden sich die Werkzeuge in die Cloud bewegen und wiederum ubiquitär verfügbar sein.

10. Offene Bildungsresourcen (OER)

Als vor gut 10 Jahren das MIT mit seiner Initiative „MIT OpenCourseWare“ ins Netz ging, waren doch viele Hochschulangehörige angesichts des Urheberrechts sehr überrascht. Die Vorstellung als Institution ihr Kowhow frei zur Verfügung zu stellen war bis dahin eher ungewöhnlich. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden und es gibt zahlreiche weitere Hochschulen, die ihre Kurse offen ins Netz gestellt haben. Das Thema Urheberrecht ist noch nicht abschließend diskutiert, aber es gibt eine Reihe von Initiativen und die Deutsche UNESCO-Kommission hat vor kurzem einen Leitfaden zum rechtssicheren Umgang mit Open Content Lizenzen veröffentlicht – eine erfreuliche Entwicklung gerade aus der Perspektive der Lerner.

Fazit

Der Einsatz sämtlicher Instrumente für das Lernen erfordert durchaus ein hohes Maß an Medienkompetenz (z.B. wie prüfe ich die Validität gefundener Informationen?), auch wenn es daran oftmals noch mangelt, das Verhalten der Lerner hat sich de facto entscheidend geändert und wird sich weiter mit der Entwicklung technischer Innovationen ändern. Was machen die Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen daraus? Wie gehen sie damit um? Wie wird sich die Ausbildung für Erzieher, Lehrer und Trainer ändern? Welche neuen professionellen Intelligenzen bzw. Kompetenzen brauchen wir, um dieses neue Lernverhalten zu fördern? Fragen über Fragen. Auch Anfang des Jahres gehen mir die Fragen nicht aus, freilich vollständige Antworten hat wohl noch niemand parat – ich freue mich auf anregende Diskussionen.

 

Woche 10 (4. – 10. Juli): Gut lernen für die Zukunft? Lernen für eine gute Zukunft? Qualität im lebenslangen Lernen

lebenslanges Lernen

Von wegen Endspurt: Qualität im lebenslangen Lernen (Bildquelle)

Das Thema der 10. Woche des Opco11 ist eine große Herausforderung. Es ist nicht trivial und wohl bislang nur wenig erforscht, insbesondere vor dem Hintergrund des beschleunigten Wandels, in der die Informationstechnologie eine zunehmend wichtigere Rolle einnimmt und die Halbwertszeit des Wissens dramatisch abnimmt. Die Bedeutung von Netzwerken nimmt weiter zu, während die Aktualitätslücke in der Wissensvermittlung immer größer wird. (vgl. G. Siemens)

Vernetztes Lernen fordert mehr Selbstbestimmung und -verantwortung

Auch wenn man den Postulaten des Konnektivismus nicht in allen Punkten zustimmt, so wird sich allein aufgrund der zunehmend vielfältigen Möglichkeiten des vernetzten Lernens die Situation in Hinblick auf lebenslanges Lernen in Zukunft deutlich mehr hin zum selbstgesteuerten bzw. selbstverantworteten Lernen entwickeln. Vor diesem Hintergrund sind die auf der Opco-Seite gestellten Fragen sehr zentral:

  1. Müssen wir jeder und jede für sich selbst in Zukunft die Qualität sichern – da lebenslanges Lernen ja wirklich viel zu vielfältig und verschieden sein kann, um einen allgemeinen Ansatz dazu zu machen?
  2. Oder müssen Bildungsangebote und -anbieter dafür sorgen, dass lebenslanges Lernen dazu passt, was wir brauchen und sich dabei um eine gute Qualität kümmern?
  3. Kann man im Zuge von lebenslangem Lernen noch von einer “objektiven” Bildungsqualität sprechen?

Beteiligte, die sich finden müssen

Die Antworten auf die o.g. Fragen erfordern mindestens zwei Perspektiven, nämlich die des Lerners sowie die des Bildungsanbieters, die man zunächst getrennt betrachten kann, die aber auf keinen Fall ohne Wechselwirkung sind. Muss der selbstbestimmte Lerner in Zukunft seine Lernqualität selber sichern? Musste er das nicht schon immer? Letztlich entscheidet der Lerner selbst über seine Qualitätsdimensionen. Diese könnten vereinfacht zum Beispiel in der Festlegung seines Lernziels liegen, die Lerneffizienz über die eigene Zeitplanung berücksichtigen bis hin zu einem wie auch immer gearteten Budget, was er dafür vorsieht. Ein schönes und ebenso pragmatisches Beispiel beschreibt Jasmin Hamadeh in ihrem Beitrag „Können wir Qualität zu selbstorganisierten Lernprozessen hinzu liefern?“ In diesem Beitrag fließt auch gleich die zweite Perspektive bzw. die Wechselwirkung ein. Die Autorin fordert, “Gib mir Zwang.“ (zeitliche Dimension), „Stand by my side“ (kollaborative Dimension), „Experten her!“ (Fachkompetenz-Dimension), „Ich brauch ein Navi“ (Betreuungs-Dimension). Hier wird die Wechselwirkung zwischen dem Lerner, einer Community of Practice und ggf. einem Bildungsanbieter im Lernprozess beschrieben. So wird nicht nur das Lernen, sondern auch die Qualitätssicherung sehr individuell.

Opco11, ein vorbildliches Beispiel für den Wandel

Wenn in einem solchen laufenden Lehr-/Lern-Prozess (nicht erst nach Abschluss!) im Sinne der Qualitätssicherung nachgesteuert wird, dann ist das insbesondere für den Bildungsanbieter eine große Herausforderung, die in Zukunft aufgrund der medientechnischen Möglichkeiten immer anspruchsvoller wird. Das Opco11-Team hat dies in einigen Situationen vorbildlich, also schön nach klassischem Qualitätssicherungsprinzip (pdca-Zyklus) geschafft. Plan: vgl. Opco11-Website, Do: vielfach vernetzte Beiträge der Teilnehmer und Referenten, Check: Beobachtung verschiedener Feedbackkanäle (sicher mit die größte Herausforderung!), Act: Anpassung z.B. des Konzeptes der Online-Session´s, soweit auch die Experten so flexibel waren.

Die Wechselwirkung macht´s …

Qualität zu bestimmen, bedeutet immer eine Referenz (Qualitätsziele, Standards, Expertenfeedback, usw.) zu haben, mit der man individuelle Qualitätsergebnisse vergleichen kann. So individuell diese Ziele und Ergebnisse auch sind, eine „gewisse Objektivität“ erfordert eine qualifizierte Referenz. Welche Maßstäbe an diese qualifizierte Referenz im Einzelfall zu setzen sind, hängt sicher wieder individuell davon ab, was der Lerner erreichen möchte. Also z. B. für eine Privatpilotenlizenz ist eine Flugschule eine geeignete Referenz, während für einen akademischen Abschluss eine Universität oder Hochschule eine entsprechende Referenz darstellt. Ob damit allerdings “objektive” Bildungsqualität gesichert werden kann? Was ist eigentlich „objektive“ Bildungsqualität?

E-Portfolio als die Chance?

Qualität im lebenslangen Lernen, bedeutet insbesondere Lernergebnisse,-erfolge inklusive der o.g. Bewertung durch eine geeignete Referenz zu dokumentieren. Hier sehe ich die Chance für den Einsatz von E-Portfolios, wie bereits auch an einigen Schulen (z.B. in Hessen) und Hochschulen (z.B. TUHH, JL-Uni Giessen) praktiziert wird. Irre ich mich, oder wäre dieses Instrument nicht gerade für die Qualitätssicherung im Prozess des lebenslangen Lernens quasi prädestiniert? Warum findet dieses Instrument so wenig Verbreitung? Was sind dabei die größten Herausforderungen? Wie sieht es z.B. mit der Portabilität aus? Wie kann der Lerner seine Daten zukunftsorieniert, persönlich sichern?

Weitere Stellungnahmen, Anregungen und Fragen sind im Etherpad zu finden. Wir dürfen auf eine anregende Diskussion in der Online-Session gespannt sein.

#opco11 – Personal Learning Environment

Aufgabe der 4. Woche des Open Course „Zukunft des Lernens“: Beschreiben Sie Ihre persönliche Lernumgebung im Netz: Welche Tools und Links gehören dazu? Wie verbinden Sie diese Tools und Links zu Ihrer “persönlichen Lernumgebung”?

Bei der Bearbeitung dieser Aufgabe tue ich mich beinahe ähnlich schwer, wie in der vergangenen Woche bei der Auflistung meiner Top 10 Learning Tools. Dies liegt in erster Linie daran, dass aus meiner Sicht die Grenzen des formellen und informellen Lernens immer mehr verschwimmen. Grundsätzlich baut die Frage aber durchaus auf der der vergangenen Woche auf. Und somit versuche ich mich an einer Beantwortung auf Basis der in der vergangenen Woche vorgestellten Tools und im Rahmen meines privaten Blogs als persönlicher Lernumgebung.

Die im angesprochenen Rahmen u.a. genutzten Tools sind:

  • Serendipity
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Reader

Ausgangspunkt der Lernumgebung ist mein Blog auf Basis von Serendipity. Hier veröffentliche ich regelmäßig mir interessant erscheinende News zum Thema Apple. Um selbst auf dem Laufenden zu bleiben, nutze ich die RSS-Feeds verschiedener internationaler Seiten über Google Reader und Twitter.

Auf dem umgekehrten Weg nutze ich neben meinem Blog ebenfalls Twitter und RSS, aber auch Facebook und eine zum Blog gehörende iOS-App, um meine Artikel zu veröffentlichen. Twitter und Facebook werden dabei komplett automatisch per Twitterfeed mit Artikeln aus meinem Blog gefüttert.

Der Kreis schließt sich letztlich dadurch, dass durch die Verlinkung mit Twitter, Facebook und über die Kommentarfunktion des Blogs Fragen, Anregungen, Kritik und Lob auch wieder ein Feedback zu mir zurückfließt. Hierdurch bildet sich dann meine informelle, private, persönliche Lernumgebung. Es ergibt sich also ein Kreislauf durch das Veröffentlichen von Artikeln auf verschiedenen Kanälen, über die ich dann auch wiederum Informationen zurück bekomme, was mir dabei hilft, mein Angebot und meine Kompetenzen in diesem Bereich weiter zu verbessern.

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