Knut LinkeKnut Linke, Alumnus aus dem Jahr 2003, ist seit vergangenem Jahr als Lehrbeauftragter in den Bereichen „ IT Dienstleistungsmanagement“ sowie „Web- und Datenbankentwicklung“ für die HSW im Einsatz. Nach seinem Studium war er u.a. bei  Ernst & Young (Düsseldorf), LeasePlan Deutschland (Neuss) und Lycos Europe (Gütersloh) tätig. Berufsbegleitend hat er den Master of Computer Science an der FernUni Hagen absolviert und in Charlotte (NC, USA), an unserer Partner Universität Pfeiffer University, anschließend noch den MBA gemacht. Zurück in Hameln gründete er das Beratungsunternehmen ITBC.EU UG und arbeitet zurzeit ebenfalls berufsbegleitend an einer Promotion im Forschungsfeld „Management Science“, in der er sich mit der Gesellschaft im Internet beschäftigt. Genau zu diesem Thema hat er einen sehr schönen Festvortrag anlässlich der Bachelorfeier am 9. Juli 2011 gehalten und zeigt daraus im Folgenden einige aktuelle Entwicklungen dazu auf.

Internet als Radio des 21. Jahrhunderts

In der heutigen Zeit mit der immer stärker werdenden Präsenz des Internet in allen Lebenslagen, nimmt auch die parallele Nutzung von Medien innerhalb der Gesellschaft stetig zu. Das Internet wird hier zunehmend zu einem Begleitmedium von anderen Medien, bzw. andere Medien werden zu einem Begleitmedium bei der Internetnutzung. So wie früher beim Zeitungs- oder Bücherlesen der Fernseher oder das Radio lief, fügt sich heute das Internet als neues Medium in dieses Medienportfolio ein. Dieser Trend wird durch aktuelle Studien belegt, die aufzeigen, dass fast 22% der Internetuser das Medium Internet stetig direkt neben dem Fernsehen nutzen [1]. Andere Studien verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass fast 66% der Nutzer mindestens einmal in der Woche beide Medien gleichzeitig nutzen, wobei der Altersbereich von 16 bis 24 Jahren hierbei eine parallele Nutzung von fast 90% aufweist. Die Nutzung als solches ist von breiter Natur: vom Abrufen von Nachrichten, über die direkte Interaktion mit anderen Personen, bis hin zum normalen surfen und Sammeln von Informationen im Internet [2]. Selbst das Fernsehen, als Medium an sich, reagiert hierauf teilweise, indem sich Serien wie die neue Sherlock Holmes Verfilmung an diese Geschwindigkeit anpasst [3] oder erneut Testläufe mit Interaktiven Filmen versucht, wo der Nutzer das Ende selbstbestimmen und mit den Inhalten interagieren kann [4].

Der direkte und indirekte Einfluss der Online-Gesellschaft

Hierbei gilt es zu beachten, dass der Einfluss des Netzes stetig in allen Lebensbereichen über die Jahre zugenommen hat. Auch Nutzer, die bisher das Internet eher abgelehnt haben können der Entwicklung nur noch schwer aus dem Weg gehen. Dieses belegt Gunter Dueck in seinem Vortrag zum „Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ exemplarisch am Beispiel von Patienten, die besser informiert sind, als Ärzte oder durch Teebauern in Indien, dessen Marktpreise über das Internet gehandelt werden [5]. Egal ob direkte Interaktion oder indirekter Einfluss, dass Netz hat die Gesellschaft durchdrungen.

Grundsätzlich gibt es, neben dem Punkt, dass Internet als Technologie für eine Person verfügbar seien muss, eine Unterscheidung in der Adaption des Internet als Interaktions- und Kommunikationsmedium innerhalb der Gesellschaft. Hierbei sollte als Grundlage die Verwendung der Begriffe des digitalen Besuchers oder der digitalen Bewohner unterschieden werden (im englischen: Digital Visitors/Digital Residents) [6]. Dieser, von Prof. Peter Kruse auf der Republica 10 (http://re-publica.de/10/) in Berlin 2010 vorgestellte Ansatz, unterscheidet hierbei zwischen adaptiven Individuen die vereinfacht das Web aktiv und interaktiv nutzen und Individuen, welche das Web von der Tendenz her das Internet als Konsummedium ohne Interaktion benutzen. Dieses Verhalten deckt sich zum Teil mit dem Ansatz der „Digitalen Eingeborenen“ (Digital Natives) von der Art der Interaktion her [7], lässt aber in diesem Zusammenhang das Alter oder die Generation als alleiniges  Unterscheidungsmedium außen vor und erweitert diese um persönliche Präferenzen, ähnlich dem Verständnis des Habitus als Identifikationsinstrument für ein soziales System [8].

In diesen Zusammenhang passt auch das Verhalten, dass TV-Sendungen in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv beim Konsum kommentiert und mitgeteilt werden. Hierbei ist ein starke Tendenz auf Unterhaltungssendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Schlag den Raab“ oder „Big Brother“ festzustellen, aber auch traditionelle Sendungsformate wie „Tatort“ werden umfangreich mitgeteilt und kommentiert [9], [10].

Kein spezielles Verhalten

Aus der soziologischen Forschung in der  Vergangenheit ist bekannt, dass es immer Personen gibt, die bei der Interaktion oder Kommunikation den direkten Kontakt, das Sichern von Informationen, Datenschutz oder die Verschwiegenheit bevorzugen und für die das Schließen von Kontakten erst eine starke Vertrauensbasis erfordert [11], [12]. Für diese Personen ist die Interaktion über das Internet, basierend auf Ihrem persönlichen Verhaltensmuster, eher schwierig. Hierzu gehört auch, dass die Adaptionszeit, bis die Technik in der Form genutzt wird, wie sie von „Early Adopters“ genutzt wird, höher ist. Diesem Personenkreis gegenüber stehen zumeist Personen, welche offener mit Ihren Meinungen und persönlichen Informationen agieren, für die die Interaktion und Freundschaftsbildung über andere Kommunikationsmedien tendenziell eher kein Problem darstellt und die sich eher durch lockere soziale Bindungen hervortun. Aus diesem Kreis bilden sich auch zumeist die sogenannten „Early Adopters“ die neue Medien und Netzwerke (angstfrei) ausprobieren.

Innerhalb der Gesellschaft  zeichnet sich allerdings auch hier eine immer stärker werdende, generelle Nutzung des Internets als grundlegendes Kommunikationsmedium ab. Dieses zeigt sich dadurch auf, dass 96% der unter 30jährigen in Deutschland aktuell in sozialen Netzwerken kommuniziert [13]. Die Kommunikationsart als solches kann aber von Gruppe (Milieu) zu Gruppe unterschiedlich sein und den persönlichen Präferenzen Tribut zollen. Hierzu gibt es in der aktuellen Form noch keine differenzierten Untersuchungen, aufgrund der persönlichen Differenzen innerhalb der normalen Interaktion kann aber erwartet werden, dass es auch hier Unterschiede gibt, was sich auch in den unterschiedlichen Formen von Interaktionspattern aufzeigt.

Die nahe Zukunft

Vor dem Hintergrund der ansteigenden Informationsflut ist es interessant zu sehen, wie sich die Nutzung in den nächsten Jahren in Haushalten und beim Endkonsumenten entwickeln wird. In diese Betrachtung muss auch die stärker werdende Integration des Internets als Anwendungs- und Informationsschicht in TV-Endgeräten und digitalen Fernsehkanälen mit betrachtet werden. Hier stellt sich die Frage, in wie weit die zukünftigen und aktuellen Nutzer mit dem ansteigenden Informationsgehalt der Medien, im Rahmen der Informationsgesellschaft, zurechtkommen werden und diese Mischform Akzeptanz finden wird. In diesem Zusammenhang sind die Akzeptanz von Social Viewing [14] und dem Erfolg dieses Sendeformates, auch in eher traditionell geprägten Sendeanstalten [15], von Interesse und es stellt sich die Frage, ob sich das hybride Nutzen dieser Medienkanäle langfristig etablieren wird.

[1] EIAA: Bi-Annual EIAA Merketers Internet Ad Barometer, November 2009, http://www.eiaa.net/ftp/casestudiesppt/Marketers_Internet_Ad_Barometer%20H2_2009.pdf, 14.08.2011.

[2] Microsoft: Media Meshing – Lernen Sie die europäischen Multi-Tasker kennen, 2010, Microsoft Corporation.

[3] Daniel Haas: Er steht an der Front der Wissensgesellschaft, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2011, http://www.faz.net/artikel/C30280/im-fernsehen-sherlock-er-steht-an-der-front-der-wissensgesellschaft-30470775.html, 13.08.2011.

[4] ZDF: Wer rettet Dian Foxx, http://dinafoxx.zdf.de/, 14.08.2011.

[5] Gunter Dueck: Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem, 14.04.2011, http://www.youtube.com/watch?v=woA4R3KrACg, 12.08.2011.

[6] Peter Kruse: Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren, 2010, http://www.scribd.com/doc/29900810/republica2010, 12.08.2011.

[7] Marc Prensky: Digital Natives Digital Immigrants, 2001,  http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf, 12.08.2011.

[8] Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede – Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Suhrkamp Verlag, 1982 (S. 277ff.)

[9] X-Ray: The tweeting Power of Television, http://www.x-ray-pmd.de/mediaportal/home2-de/Services/TopicTracker/TwitterTV/tabid/3095/Default.aspx, 14.08.2011.

[10] X-Ray: Topic Tracker – Twitter-TV, http://www.slideshare.net/scholzfriends/twitterstudie-zu-tvsendungen, 14.08.2011.

[11] Sinus Institut: Die Sinus-Milieus in Deutschland 2011, http://www.sinus-institut.de/loesungen/sinus-milieus.html, 13.08.2011.

[12]Kulturglossar: Soziales Mileu, Universität Trier , http://kulturglossar.uni-trier.de/elements/milieu_soziales.jpg, 12.08.2011.

[13] Achim Berg: Soziale Netzwerke in Deutschland, 13.04.2011, http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Presseinfo_PK_Soziale_Netzwerke_13_04_2011.pdf, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., 13.08.2011.

[14] Wikipedia: Social Viewing, http://en.wikipedia.org/wiki/Social_viewing, 12.08.2011.

[15] Jochen Hieber: Thomas Gottschalks Mut zum Experiment, 15.07.2011, http://www.faz.net/artikel/C30280/medien-thomas-gottschalks-mut-zum-experiment-30465121.html, 12.08.2011.

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