Der Titel der 3. Woche „Von iPads, eBooks & Virtual Classrooms. Lerntechnologien“ reizt mich eigentlich dazu, mich einem mehr mit dem künftigen Einsatz von neuer Technologie (z.B. die neuen Möglichkeiten beim Einsatz von Augmented Reality, vgl. z.B. Horizon Report 2011) zu beschäftigen, als einen Blick zurück zu werfen.

Andererseits hat sich unser Blended-Learning Ansatz im dualen Studium seit etwa 10 Jahren bewährt und ist sicher auch berichtenswert. Die Erfahrungen stammen im Wesentlichen von zwei Bachelor-Studiengängen, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik mit jeweils drei Fachrichtungen. Zurzeit wird dieses Modell auf einen weiteren dualen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen sowie auf einen berufsbegleitenden Masterstudiengang „General Management“ übertragen. Zwischenzeitlich haben wir auch im Weiterbildungsbereich, z.B. beim Führungskräfte-Programm oder bei dem Zertifikatsstudienangebot ProWiSo diese Lehr-/Lernprozessgestaltung eingeführt.

Basis unserer Lehr-/Lernprozessgestaltung ist das Lernmanagementsystem ILIAS, das als Open-Source-Software von der Uni Köln entwickelt wurde. Der Schwerpunkt der Nutzung liegt in der Kommunikation von Studierenden untereinander, mit den Lehrenden sowie mit Praktikern insbesondere bei der lernortübergreifenden Betreuung (vgl. weiter unten). Einige wenige Contentmodule, decken z.B. Themenbereiche wie wissenschaftliches Arbeiten oder Projektmanagement als Vorbereitung oder Repetitorium der ansonsten im Präsenzstudium angebotenen Inhalte ab.

HSW-LMS ILIAS

Kommunikationsbasis ILIAS

In den Studiengängen finden wir fünf Klassen von Modulen: 1. Theoriemodule, 2. Praxismodule, 3. Praxisgebundene Theoriemodule, 4. Projektstudium und schließlich 5. Praxisorientierte Thesis. Abgesehen von dem reinen Theoriemodul, das ausschließlich am Lernort Hochschule (und natürlich zu Hause, oder wo auch immer) stattfindet, finden die anderen Module insbesondere auch am Lernort des betrieblichen Praxispartners statt.

Durch eine festvorgegebene Taktung  der Lehr-/Lernprozesse wird ausgehend von einem „formalen Lernimpuls“ (z.B. Themenvereinbarungen für die Reflexion des Praxisstudiums, Leit-/Rechercheaufgaben zu praxisgebundenen Theoriemodulen) der Lernende im informellen Lernen durch Mitarbeit im Tagesgeschäft oder in Projekten, durch Gespräche mit Arbeitskollegen usw. durch einen Dozenten via ILIAS betreut. Der Lehrende hat dabei nicht die Rolle des Wissensvermittlers, sondern  die des „Lernberaters“ bzw.  „Lernhelfers“. Die Betreuung erfolgt in der Regel asynchron, aber auch synchron z.B. via WebEx. Zum Abschluss des Moduls wird es wieder formal: Kompetenzprüfung in Form verschiedener Leistungsnachweise (klass. Hochschulprüfung oder künftig als E-Portfolio).

ILIAS bietet dabei ein großes Spektrum von Instrumenten, wie z.B. Kurse, Wikis, Foren, Mail, Mediacast, Webfeed, Lernmodule in SCORM/AICC/HTML usw. Eine besondere Stärke von ILIAS ist allerdings das umfangreiche Rechte- und Rollenkonzept, das hervorragend geeignet ist, um die Rollen von Lerner und Lehrer abhängig von der Anforderung im Lehr-/Lernprozess zu wechseln. Dies wird z.B. beim Einsatz von Studierenden als Tutor genutzt.

Ein wichtiger Aspekt eines solchen Ansatzes innerhalb einer geschlossen Community (Mitglieder der Hochschule) ist die Geborgenheit der Gemeinschaft. Ganz anders als in offenen Kursen (z.B. #opco11), kennen sich hier alle Teilnehmer auch persönlich und entwickeln ein Vertrauensverhältnis, das für den Lehr-/Lernprozess eine über diesen Prozess hinaus entscheidende Bedeutung hat (z.B. Alumni-Verbundenheit).

Übrigens haben wir seit kurzem eine Verbindung zwischen ILIAS und Mahara geschaffen, um die Nutzung von E-Portfolios zu fördern. Bei der Einführung von E-Portfolios bleibt allerdings die Unsicherheit der fehlenden Standardisierung und damit der lebenslangen Verfügbarkeit der eigenen Daten zurzeit ungewiss. Bei Nutzung eines Blogs ist jeder Nutzer selbst Herr der Daten, allerdings nicht mit den besonderen Möglichkeiten unterschiedliche Zielgruppen mit passenden Ausschnitten des eigenen Portfolios zu bedienen.

Mein Ziel bei der Teilnahme am #opco11 liegt u.a. darin, Erfahrungen zu sammeln, welche Social Media Instrumente und Arrangements zu den o.g. Lehr-/Lernszenarien passen könnten. Deshalb freue ich mich auf zahlreiches Feedback aus der opco11-Commuity!

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