Diese Woche, vom 2. – 4. Mai findet zum sechsten Mal die re:publica in Berlin statt. Das diesjährige Motto lautet ACT!ON. Schon die Schreibweise ACT!ON soll die Schubkraft sozialer Medien symbolisieren. Nicht nur für politische Bewegungen sondern in fast allen gesellschaftlichen Bereichen hat durch die digital-soziale Vernetzung ein unumkehrbarer Wandel eingesetzt.

Themenvielfalt garantiert

Allein die rückblickenden Zahlen der re:publica ´11 beeindrucken schon: 3.000 Teilnehmer, 160 Stunden Programm verteilt auf drei Tage und acht Bühnen, 270 Redner aus über 30 Ländern usw. Dieses Jahr sind übrigens bereits rund 200 Stunden Programm geplant. Die vielfältigen Themenangebote (insgesamt 14 Tracks) reichen von zum Beispiel re:Design: „Wie kann man gestalterische Grundlagen für gesellschaftliche Interaktion schaffen?“ über re:Learn: „Wie lernen wir heute?“ bis zu re:Volt: „Die Welt ist in Aufruhr. Neben den anhaltenden Proteste im Nahen Osten, tauchen weltweite Proteste gegen ACTA oder Aktionen der Anonymous Bewegung immer wieder in den Schlagzeilen auf…“

Zukunft des Lernens – re:Learn

In diesem Track geht es um die Zukunft des Lernens ausgehend von der Frage: Wie lernen wir heute? Was sind die rechtlichen und sozialen Grundvoraussetzungen für den Austausch von Wissen? Wie verändern digitale Medien die Arbeit von Universitäten und Schulen? Gleich am ersten Tag wird das Thema Wissenschaft und Open Educational Ressources (OER) im Vordergrund stehen. Passend dazu hat Oliver Tacke eine Idee entwickelt, die zu unserem gemeinsam Beitrag führt: Raus aus dem Elfenbeinturm! Forschung und Lehre zum Mitmachen.

Öffentliche Wissenschaft – Vielfalt der Perspektiven

Zum Paradigmenwechsel hin zum öffentlichen Wissenschaftlicher hat Christian Spannagel bereits vor vier Jahren einen sehr lesenswerten Blogbeitrag verfasst. Matthias Fromm zeigt in seinem Blogbeitrag verschiedene Aspekte offener Wissenschaft auf, die mir sehr gut gefallen, vor allem auch die Relativierungen zum Schluss. Ist Öffentliche Wissenschaft (Open Science), also Forschung und Lehre zum Mitmachen eine gute Idee oder nicht? Wie so oft ist auch die Beantwortung dieser Frage eine Frage des Standpunktes, der eigenen Perspektive und der Rahmenbedingungen. Zum Beispiel zum Forschungsprozess schreibt O. Tacke in seinem Blogbeitrag dazu: “Es geht nicht um das Präsentieren von fertigen Inhalten, sondern um das Erstellen, Prüfen, Verbessern dieser Inhalte durch Forscher, Praktiker und begeisterte Amateure. Wer an der Entwicklung von Wissen mitwirkt, versteht viel besser, was Wissenschaft eigentlich ausmacht und bedeutet.“

Perspektive Lehrender und Wissenschaftler

Kann die o.g. Idealvorstellung von Open Science das wirklich leisten? Im Prozess des Erstellens geht es häufig am Anfang um das Werben und Beantragen von Mitteln, sei es öffentlich oder privatwirtschaftlich gefördert. Es geht also um Wettbewerbsfähigkeit, letztlich genau wie in der Wirtschaft. Auf der anderen Seite sehe ich als Lehrender und Forschender auch die Mehrwerte. Den eigenen Horizont durch Beiträge aus verschiedenen Perspektiven in den Prozess einfließen zu lassen, also in der Tat weniger „Fachidiotentum“ pflegen und gleichzeitig durch kreative Impulse neue Anregungen zu bekommen. Allerdings setzen die Fachdisziplinen vielfach ein profundes Grundwissen voraus, dass eine Beteiligung von „Nichteingeweihten“ äußerst schwierig, bis unmöglich macht. Diesen Aufwand, und das kann ich persönlich auch sehr gut nachvollziehen, scheuen die meisten Wissenschaftler, wie im Übrigen das Beispiel von Scholarpedia zeigt. Hier tauschen sich die Peers, also die jeweilige Fachcommunity intensiv aus. Die intrinsische Bereitschaft des einzelnen Wissenschaftlers ist sehr viel größer, als beispielweise einen Beitrag in Wikipedia zu erstellen, der anschließend unter Umständen von einem fachlichen Laien ggf. verschlimmbessert wird. Letztlich hat dieses Beispiel auch mit der Kompetenz des wissenschaftlichen Arbeitens zu tun, also z.B. auch mit dem Umgang von Primär- und Sekundärquellen.

Perspektive Hochschulleitung

Richtlinien zur Förderung von Lehre, Studium und Forschung gibt es reichlich, selbstverständlich auch an der eigenen Hochschule. Vergleichbare Vereinbarungen/Ordnungsmittel für öffentliche Wissenschaft sind mir bislang allerdings nicht bekannt. Zum Beispiel drängt sich mir die Frage auf: Wie wird eigentlich im Rahmen von wissenschaftlicher Reputation die regelmäßige Pflege und damit Veröffentlichung von Beiträgen in entsprechenden Blogs angesehen bzw. bewertet, im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen? Spätestens bei Berufungen könnte eine solche Fragestellung auf die Hochschulleitung zu kommen. Welche motivierenden Rahmenbedingungen können Hochschulleitungen schaffen, um öffentliche Wissenschaft zu fördern? In welchen Fällen ist öffentliche Wissenschaft möglich und wann ggf. auch nicht (Auftragsforschung). Wie könnten die rechtlichen Vereinbarungen im Falle von Sperrvermerken bei Auftragsforschung aussehen? Fragen über Fragen….

Fazit

Das Thema ist außerordentlich vielschichtig, so dass der vorstehende Beitrag nur einen winzig kleinen Ausschnitt gestreift hat. Es gibt eine Flut von offenen Fragen, wie sie zum Beispiel Oliver Tacke am Ende seines Beitrages gesammelt hat. Wir dürfen uns also auf eine anregende Diskussion auf der re:publica 12 mit sicher etlichen inspirierenden Beiträgen freuen – ich bin gespannt.

 

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